Willkommen zurück bei einem neuen Beitrag auf meinem Blog. Diesmal darf ich euch von meiner Zeit in Nanning (南宁) erzählen, eine Stadt im Süden Chinas, welche die Hauptstadt der Guangxi-Provinz ist, eine meiner liebsten Gegenden in China. Auch diesmal könnt ihr euch auf einige schöne Fotos freuen.

Ankunft und erster Abend

Mittwoch (11.3.) bin ich nach knapp fünf Stunden Zugfahrt am späten Nachmittag in Nanning angekommen. Dort musste ich noch etwas mit der Metro bis zu meinem Hotel fahren, um dort meine Sachen abzulegen. Leider konnte ich mir in Nanning keine Metro-Karte für mein Handy besorgen, sondern musste immer ein Ticket für eine Einzelfahrt kaufen, was etwas nervig war. Mein Zimmer im Hotel war sauber und ganz ok. Leider lag aber ein deutlicher Rauchgeruch in der Luft und das Zimmer war auch relativ hellhörig. Es hat aber ausgereicht und war dafür auch nicht so sonderlich teuer.
Nachdem ich mein Gepäck ins Zimmer gebracht habe, habe ich mich schnell wieder auf den Weg gemacht, um etwas zu essen; nach der langen Zugfahrt hatte ich großen Hunger. Ich war in einem Buffet-Restaurant, das aber leider kein besonders großes oder schönes Angebot hatte. Es war aber für den Moment ausreichend. Anschließend ging es zurück ins Hotel, um mich auszuruhen.

Tag 1: Auf dem Berg Qingxiu (青秀山)

Für meinen ersten vollen Tag am Donnerstag (12.3.) habe ich mir vorgenommen die Gegend um den Berg Qingxiu zu erkunden. Dabei handelt es sich nicht um einen einzelnen großen Berg, sondern eher eine größere Berglandschaft mit viel grün und einigen Sehenswürdigkeiten. Da es sehr weitläufig war, war ich auch den ganzen Tag dort unterwegs.
Auf dem Weg gab es verschiedene Seen und schöne Gebäude. Unter anderem gab es auch einen hohen Turm, von dem aus sich eine schöne Aussicht über den Park und die Stadt geboten hat. Besonders schön fand ich einen buddhistischen Tempel, der sich auf einer erhöhten Stelle sehr zentral im Park befunden hat. Super war auch, dass es dort ein (zumindest vegetarisches) Restaurant gab, wo ich mir Nachmittag noch eine Portion veganer Nudeln holen konnte. Das hat mir Kraft für den Rest des Weges gegeben.
Besonders schön war dann auch noch eine Gegend mit jeder Menge Pfirsich-Bäumen, die gerade voll in der Blüte standen, sodass dort viele Chines:innen Fotos gemacht haben. Dabei war auch eine Gruppe von Frauen mittleren Alters, die gerne mit mir Fotos machen wollten. Als ich er erzählte, dass ich aus Deutschland komme, wollte die eine auch mein WeChat haben, weil ihr Sohn wohl später irgendwann mal nach Deutschland will. Sie hat mir dann später ganz schön viel geschrieben, was ich etwas nervig fand, aber das war zum Glück nur an diesem Tag so und hat dann aufgehört.
Das waren im wesentlichen die Orte, auf die ich im Text eingehen wollte. Insgesamt war es schon schön in dem Park, auch wenn ich schon schönere Gegenden gesehen habe. Zurück im Hotel war ich so erschöpft, dass ich mir für das Abendessen etwas bestellt habe. Da ich aber schon im Tempel etwas hatte, gab es dann nur noch eine Kleinigkeit.

Tag 2: Ausflug zu den Detian-Wasserfällen (德天跨境瀑布)

Für Freitag (13.3.) stand ein größerer Ausflug zu den Detian-Wasserfällen auf dem Plan. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er über die Grenze von China und Vietnam verläuft. Er ist damit aber auch relativ abgelegen und nicht so einfach zu erreichen. Ich habe daher eine Tagesreise mit einer Reisegruppe gebucht, was ich sonst nicht so gerne mache. Es erschien mir aber als am wenigsten stressige Methode.
Früh um 7:10 Uhr haben wir uns in der Nähe meines Hotels getroffen und sind kurz darauf mit einer Gruppe von ca. 12 Personen mit dem Bus losgefahren. Unser Reiseführer war sehr nett und humorvoll. Er hat uns unterwegs schonmal ein wenig über die Wasserfälle erzählt und einige Tipps gegeben. In Erinnerung ist mir geblieben, dass er nochmal darauf hinwies, dass dort die Grenze verläuft und dass wir bitte nicht die Grenze überqueren sollen. Das unterstricht er damit, dass schließlich niemand einen Reisepass dabei habe, außer mir, sodass höchstens ich auf die andere Seite gehen könnte.
Kurz vor 11 Uhr sind wir am Eingang des Areals angekommen. Dort hat er noch unsere Tickets besorgt und dann sind wir rein. Dafür mussten wir nochmal kurze zehn Minuten mit einem anderen Bus bis zum eigentlichen Gebiet um den Wasserfall fahren. Dort konnte ich dann auch endlich die Wasserfälle sehen. Erstmal war ich jedoch etwas enttäuscht, da sie nicht ganz so imposant waren wie auf den Bildern, die ich im Internet gesehen habe. Davor hatte der Reiseführer uns jedoch auch schon gewarnt, da wir uns aktuell in der weniger regnerischen Jahreszeit befinden, sodass die Wasserfälle logischerweise weniger Wasser führen.
Als erstes ging es mit einem kleinen Boot den Fluss entlang, sodass wir näher an die Wasserfälle ran gekommen sind und einige schöne Fotos machen konnte. Da hat mir der Anblick dann doch deutlich besser gefallen und ich hatte auch das Gefühl, dass das Wasser etwas mehr geworden ist. Während der Bootsfahrt sind junge Frauen von der Vietnamesischen Seite mit kleineren Booten herangefahren, haben sich an unserem Boot festgehalten und versucht den Leuten auf dem Boot einige Sachen zu verkaufen. Davor hatte der Reiseführer uns zuvor auch schon gewarnt.
Nach der Bootsfahrt hatte ich erstmal ein kaltes Getränk und habe anschließend die Gegend rund um den Wasserfall erkundet. Es gab verschiedene Aussichtspunkte und einen Weg den Fluss hinauf, sodass ich auch noch etwas davon sehen konnte, wo das Wasser herkommt. Am Ende des Weges gab es einen größeren Platz mit verschiedenen Läden und Restaurants, wo mir aber nichts zugesagt hat. Ich habe daher auch relativ schnell den Rückweg eingeschlagen und bin über einen anderen, höher gelegeneren Weg Richtung Ausgang gelaufen, wobei sich unterwegs nochmal weitere Aussichtsplattformen befanden von denen aus die Wasserfälle nochmal aus einer anderen Perspektive gesehen werden konnten.
Dabei ist mir auch aufgefallen, dass sich die chinesische Seite und die vietnamesische Seite des Flusses doch deutlich unterscheiden. Als erstes fällt auf, dass der Wasserfall auf der vietnamesischen Seite deutlich weniger eindrucksvoll ist als auf der chinesischen Seiten. Auch waren dort die Wege deutlich einfacher gehalten und es wirkte insgesamt alles etwas zurückhaltender. Ich gehe mal davon aus, dass das auch in der unterschiedlichen Finanzkraft der beiden Länder begründet liegt.
15 Uhr haben wir uns wieder mit der Gruppe getroffen und haben uns auf den Rückweg gemacht. Ungefähr 18:30 Uhr waren wir zurück in der Stadt, sodass erstmal das Abendessen anstand. Das war auch bitter nötig, denn ich hatte den ganzen Tag nur zwei gefüllte Brötchen gegessen, die ich mir aus der Stadt mitgebracht habe. Diesmal bin ich ein anderes Buffet-Restaurant gegangen, welches etwas besser war aber auch nicht an das rankam, was ich aus anderen größeren Städten gewohnt war. Nach dem Essen ging ich noch etwas durch die Stadt und bin durch einige Einkaufsläden geschlendert.
Insgesamt war es ein schöner Ausflug und der Anblick der Wasserfälle war einmalig. Ansonsten gab es dort aber nicht sonderlich viel zu erkunden, sodass es streckenweise etwas langweilig war. In Anbetracht der langen Fahrtdauer hat es sich daher nicht unbedingt gelohnt. Aber ich denke, dass ich ohnehin nichts anderes zutun gehabt hätte, sodass ich gleichauf froh bin, diesen Ausflug gemacht zu haben.

Tag 3: In den Parks der Stadt

Samstag (14.3.) wollte ich noch einige Parks in der Stadt erkunden. Dabei war ich erst einem sehr kleinen Park, der zum Museum nationaler Minderheiten gehört. Viel zu sehen gab es aber nicht.
Als nächstes war ich an einem größeren See. Viele Chines:innen haben dort Sport gemach und waren insbesondere Joggen. Ich habe mich hingegen mit einem gemächlicherem Tempo fortbewegt und bin entspannt den See entlang spaziert. Dabei war ich von viel Grün umgeben, was mir sehr gut gefallen hat.
In der Nähe des Sees lag der Jinhuacha-Park (金花茶公园), dem ich auch noch einen Besuch abgestattet habe. Der hat mir auch recht gut gefallen.
Als nächstes wollte ich nochmal etwas weiter raus und bin zum Park am Drachentor (龙门水都) gefahren. Die Bilder im Internet sahen dazu sehr schön aus. Dort angekommen habe ich als erstes ein sehr großes Areal eines Wasserparks mit Hotel und Nebenanlagen entdeckt; jedoch waren die Becken ausgetrocknet und auch ansonsten eigentlich alles außer Betrieb. Es war daher auch nicht viel los, ich konnte mir aber noch alles ansehen. Diesen Anblick fand ich sehr faszinierend.
Hinter diesem Areal lag ein Stausee. Auch dort waren eine ganze Reihe an Gebäuden und Einrichtungen, die aber auch alle bereits geschlossen hatten. Es schien auch so, als wäre dort schon länger nichts mehr los gewesen. Woran das lag, habe ich nicht rausgefunden. Ich kann mir aber vorstellen, dass es einfach nicht genug Besucher:innen gab und dort deshalb das meiste geschlossen wurde. Dieses Areal zu erkunden fand ich aber sehr faszinierend.
Das einzige, wo dort noch ein wenig los war war ein kleiner Freizeitpark mit Spielautomaten und einigen wenigen Fahrtgeschäften. In der Nähe davon gab es auch einige Käfige für Tiere, die dort wie im Zoo ausgestellt waren. Die Unterbringung wirkte auf mich aber sehr erbärmlich, sodass sie mir schon ziemlich Leid getan haben.
Als letztes bin ich noch eine abgelegeneren Straße gefolgt, die über den Berg führte. Oben auf dem Berg fand ich auch eine Wasserrutsche, die man mit einem kleinen Boot herunterrutschen kann. Ich hätte auch eine Fahrt in Erwägung gezogen, wenn das Ticket nicht gut 11 € gekostet hätte. Das war es mir nicht wert, sodass ich doch lieber zu Fuß weiter bin.
Nach dem Abstieg war ich sehr erschöpft, weshalb ich nur noch zum Abendessen und abschließen ins Hotel gegangen bin, um mich für die weiterreise am nächsten Tag auszuruhen.

Fazit und Ausblick

Meine Zeit in Nanning war in Ordnung. Ich konnte mich beschäftigen und auch ein paar neue Orte sehen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Situation rund ums Essen für mich hier nicht besonders berauschend war. Das hat sich dort negativ auf meinen Gesamteindruck ausgewirkt. Insofern bin ich zwar froh, hier gewesen zu sein, es gibt aber auch einige Städte, die mir besser gefallen haben.
Wie geht es jetzt weiter? Ich habe jetzt noch eine Woche, bis ich von Chongqing zurück nach Peking fliege. Eigentlich hatte ich vor, als nächstes nach Guiyang (贵阳) zu reisen, eine Stadt in der Mitte zwischen Nanning und Chongqing. Jedoch sieht die Wettervorhersage dort für die nächsten Tage sehr schlecht aus. Und auch werden mir dort nur wenige vegane Restaurants angezeigt, was mich wenig Vorfreude hat empfinden lassen. Daher habe ich meine Pläne geändert und fahre heute (Sonntag, 15.3.) mit dem Zug nach Chengdu (成都), die Hauptstadt von Sichuan, die nicht weit von Chongqing entfernt liegt. Dort war ich zwar auch schon beim ersten Mal in China, jedoch kann ich die Stadt gut als Ausgangspunkt für andere Reisen in die Gegend nutzen. Was ich genau besuchen will, weiß ich aber noch nicht genau. Dort werde ich die nächsten drei bis vier Tage verbringen, bevor ich wieder nach Chongqing fahre. Ihr werdet also später diese Woche wieder von mir hören.
Bis dahin wünsche ich euch alles Gute!
Euer Jack

Extra

Unter meinem Letzten Post hat mir Petra zwei Fragen gestellt, die ich an dieser Stelle gerne noch beantworten möchte: 1. „Was macht das Land (Kultur) für dich so interessant (warum nicht z.B. USA, Australien, Peru?)!“, 2. „Die Erlebnisse mit den Menschen vor Ort…was hast du so erlebt, was beeindruckt dich?“

Zur 1. Frage: Ich denke, dass das Interesse seinen Ursprung im Sprachenlernen hat. Da ich schon seit zehn Jahren Chinesisch lerne, ist das bereisen dieses Landes insofern die logische Wahl, um einerseits einen Nutzen aus dem Lernen zu ziehen und andererseits meine Sprachfertigkeiten weiter zu verbessern. Insofern haben meine Chinesisch-Lehrer in der Schulzeit (herzlichen Gruß an Peter), einen erheblichen Beitrag geleistet, um dieses Interesse zu entfachen.

Im Übrigen finde ich an China bzw. dem gesamten asiatischen Kontinent auch sehr interessant, dass der Unterschied zur Kultur in Europa besonders groß sind und so ein Ausflug hierhin insbesondere interessanter ist, als würde ich nur in ein anderes Land in Europa reisen.

Ein weiterer Punkt ist, dass China ein sehr großes Land ist und daher sehr viele verschiedene Eindrücke zu bieten hat. Das lässt sich besonders gut an den Landschaften erkennen, die sehr vielfältig sind und damit viele Reiseziele bieten. Neben den Landschaften mag ich aber auch andere Teile der chinesischen Kultur sehr gerne. Ganz vorne liegt dabei die Tee-Kultur, von der ich auch gerne Elemente in meinen Alltag in China integriere. Dieser Punkt ist, meiner Meinung nach, aber sogar noch stärker in Taiwan ausgeprägt, weshalb ich es dort auch sehr liebe (neben anderen Gründen dafür). Und als Dritten Punkt hinsichtlich der Kultur finde ich die historische Architektur mit ihren Gärten, Pagoden und Tempeln sehr faszinierend.

Warum nicht auch andere Länder? Aus der Frage ausklammern möchte ich zunächst die USA, gegen die aktuell handfeste politische Gründe und Sicherheitsbedenken sprechen. Andere Länder interessieren mich auch und würden definitiv auch als Reiseziele in Betracht kommen. Die würde ich aber dann lieber mit meiner Freundin bereisen. Da dies nun aber eine Alleinreise war, hat sich China besser angeboten. Immerhin ging es mir auch darum, dass hiesige Lebensgefühl wieder zu fühlen. Daneben ist das Reisen in China auch vergleichsweise günstig, sodass es ganz gut gepasst hat, den Urlaub hier zu machen.

Zur 2. Frage: Wenn ich so reise sind zwischenmenschliche Erlebnisse mit den Menschen eher selten. Am häufigsten beschränkt sich dass auf kurze Gespräche beim Check-In im Hotel, im Restaurant oder im Supermarkt. Da führe ich aber keine richtigen Unterhaltungen. Aufgrund meiner Persönlichkeit spreche ich auch nicht wirklich Menschen an bzw. komme schon überhaupt nicht in Situationen, in denen sich das anbieten würde. Manchmal kommt es aber vor, dass ich angesprochen werde; ich falle als Ausländer schon sehr auf zwischen den Chines:innen, die häufig noch nie einen Ausländer in Fleisch und Blut gesehen haben. Da werde ich dann einiges gefragt, etwa wo ich herkomme und wie ich China finde. Aber auch solche Gespräche sind nie besonders tiefgründig. Häufig – aber diesmal seltener als die letzten beiden Male – werde ich angesprochen, weil Leute mit mir Fotos machen wollen oder mein WeChat haben möchten. Das ist aber auch keine tiefere soziale Interaktion. Insgesamt kann ich daher zu dieser Frage keine wirklich gute Antwort bieten.

Falls ihr sonst noch Fragen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare unter den Beitrag und ich werde sie im nächsten Beitrag beantworten, so gut ich kann.